Karmeliterkloster

Dem Karmeliterkloster kommt für die architektonische  Identität der Stadt große Bedeutung zu, da Frankfurt kaum historische Bauten aufzuweisen hat. Es finden sich nur noch wenige Relikte, die von der Wichtigkeit der einstigen Reichsstadt als Handels- und Messeplatz, sowie vom Wahlort der deutschen Könige und Kaiser künden. So ist das Karmeliterkloster die einzige erhaltene mittelalterliche Klosteranlage in Frankfurt am Main und zählt mit den Wandmalereien des Malers Jörg Ratgeb zu den herausragenden kunsthistorischen Schätzen der Mainmetropole.

Kurz nach 1240 gegründet entwickelte sich das Karmeliterkloster aus bescheidenen Anfängen noch im Spätmittelalter zu einer großen Klosteranlage mit Kirche, Funktionsbauten und eigenem Bestattungsplatz. Seine heutige Form erhielt es im 15. Jahrhundert. In dieser Zeit wurde die Kirche erweitert sowie der Kreuzgang und das nördliche Hauptgebäude mit Refektorium und Dormitorium erbaut. Es ist großzügigen Stiftungen zu verdanken, dass der schwäbische Maler Jörg Ratgeb in den Jahren 1514 bis 1521 den Kreuzgang und das Refektorium ausmalen konnte. Die Hauptgruppe der Stifter bildete das Frankfurter Patriziat, daneben traten vier Reichsfürsten als Stifter auf, die anlässlich der Kaiserwahl 1519 in Frankfurt weilten, ebenso Geistliche, gräfliche Nachbarn, Ritter im Dienst der Stadt, Bruderschaften und auswärtige Kaufleute. Die Darstellungen der Passions- und Heilsgeschichte im Kreuzgang sowie die Ordensgeschichte der Karmeliter im Refektorium zählen zu den größten und bedeutendsten vorbarocken Wandmalereien nördlich der Alpen.

Im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst und in den Besitz der Stadt gelangt, nutzte man das Kloster in der Folgezeit als Magazin, Lazarett, Kaserne, Sitz der Zollbehörde, Schule und später als Feuerwache. In den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgten umfangreiche Sanierungen, doch die Luftangriffe im März 1944 zerstörten die Anlage in großen Teilen. Nach einer weitgehend originalgetreuen Rekonstruktion 1955 diente das Kloster als Sitz verschiedener Institutionen, bis 1959 das Stadtarchiv Einzug hielt. Als letztes wurde 1987 bis 1989 in Zusammenhang mit der Errichtung des Archäologischen Museums die Klosterkirche wieder hergestellt. In den Jahren 2006 bis 2010 erfolgte – mit Ausnahme der Räume des Archäologischen Museums – eine grundlegende Sanierung des umfangreichen Komplexes.

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Karmeliterkloster
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